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15.05.05
O komm, du Geist der Wahrheit!
Teil des Pentecost Grid Blog
Dieser Tage wundern sich vermutlich wieder einige Menschen, was an Pfingsten so wichtig ist, dass wir es in Deutschland mit zwei offiziellen Feiertagen (Pfingstsonntag und -montag) begehen. Mit Weihnachten und Ostern können die meisten Menschen noch etwas anfangen, aber die Bedeutung von Pfingsten ist in unserer entkirchlichten Gesellschaft mittlerweile weitgehend unbekannt. Selbst diejenigen, die die „richtige“ Antwort kennen („Ausgießung des Heiligen Geistes“) tun sich allerdings schwer damit, dem irgendeine praktische Bedeutung zuzumessen.
Auch in christlichen Kreisen ist der Umgang mit Pfingsten nicht immer problemfrei: Für Charismatiker und Pfingstler ist das natürlich der „Hausfeiertag“, aber trotzdem ist man sich unsicher, wie man ihn feiern soll. Und in anderen Denominationen tut man sich mit dem Feiertag teilweise noch schwerer. Gewiss, eine offizielle Antwort gibt es immer, aber wie feiere ich diesen Tag persönlich, für was bin ich Gott dankbar? Welche Rituale gibt es für Pfingsten, wenn man keine Krippe, keine Ostereier, keinen Weihnachtsbaum verwenden kann? Ist Pfingsten außerhalb des Gottesdienstes mehr als nur ein normaler Sonntag für mich?
Eine interessante Sichtweise von Pfingsten ist die als Geburtstag der Kirche. In Matthäus 16, 18 kündigt Jesus schon den Bau seiner Gemeinde auf dem Felsen Petrus an, und wir lesen in der Apostelgeschichte von Petrus' beeindruckender Antrittspredigt, die so gar nichts von dem stürmischen, vorschnellen, unsicheren Petrus erkennen lässt, den wir in den Evangelien kennenlernen. In der Folge heißt es „…und der Herr tat täglich hinzu…“ – ein Gemeindewachstum, wie es im Buche steht.
Den wichtigen Zwischenschritt, der das möglich machte, finden wir in Apostelgeschichte 2: Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Es ist wichtig, sich an dieser Stelle zu erinnern, dass es nicht um eine Geisteshaltung, nicht um göttliche Gedanken, nicht um spirituelle Erfahrungen geht, sondern darum, dass Gott selbst in den Gläubigen lebt. In unserer modernen Gesellschaft findet dieser Gedanke weiten Anklang: Der „Funke Gottes in uns“, eine „göttliche Kraft oder Idee“, das ist oft Ausdruck dessen, dass eine wie auch immer geartete gelebte Religiosität nicht nötig ist, weil wir Gott ja schon in uns tragen. Die Idee dahinter ist: Wir sind alle „ein bisschen Gott“.
Davon spricht das Neue Testament allerdings nicht! Es geht nicht um einen Gedanken oder eine Idee, die unserer Kontrolle unterliegt. Es geht um eine Machtaufgabe, es geht um einen Gott, der souverän unser Leben führt und zu einem guten Ende bringt, auch wenn wir ihm manchmal dabei ganz gehörig in die Quere kommen.
Die Folge dessen für die Kirche als Institution ist, dass der christliche Glaube nicht primär auf Gedenken, Erinnerung und Bewahrung ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf aktives Handeln, Verändern unserer ungerechten Gesellschaften hin zu Gottes Gerechtigkeit und Bauen des Reiches Gottes.
Das muss auch unser persönliches Handeln prägen: Gott wirkt schöpferisch in uns und trotz uns. Nutzen wir diese Zeit, um ihm für dieses Privileg zu danken. Wir brauchen Mut, diese Welt zu verändern. Und wir brauchen Demut, zu erkennen, dass unser Denken und Handeln immer noch durchdrungen ist von unseren eigenen Wünschen – was die Geschichte der Kirche leider ebenfalls zeigt.
Verfasst von crenz um 15.05.05 20:10
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