« Per GPS das eigene Haus auf Google Maps finden | Zurück zur Hauptseite | Oberseite-kerbe Aufnahmen »
27.06.05
Stoppt die Musikpiraten!
Die Meldung geistert gerade durch alle Medien: Eine von drei CDs ist „illegal“ (deutsch, englisch). Auf die böse Musikindustrie zu schimpfen, ist zur Zeit recht in, und ich reihe mich da eigentlich nur zögerlich ein. Ich bin kein Freund derer, die mit dem Kampf gegen die Musikindustrie lediglich ihren eigenen Geiz rechtfertigen wollen. Trotzdem, wenn ein dermaßen verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, ist Klarstellung notwendig.
Was mich erstens stört, ist die Monopolisierung von Kulturgut durch eine kleine Anzahl von Firmen. In den letzten Jahrzehnten wurde das Copyright in den USA stetig verlängert. Als Folge davon sind viele Werke bereits nicht mehr verfügbar, weil sie einerseits unter einem Copyright stehen, andererseits aber vom Rechteinhaber nicht mehr veröffentlicht werden (durchaus nicht im Einverständnis des Autors). Leider haben die Rechteinhaber hier nur Rechte und keine Pflichten.
Zweitens wird im Zusammenhang mit dem entstandenen Schaden von mehreren Milliarden Dollar auch immer wieder von den Künstlern geredet. Es kann aber nicht deutlich genug gesagt werden: Das Geld kommt bei den Künstlern nicht an. Unabhängige Künstler wie Steve Lawson haben zum Thema Musikpiraterie sowieso eine deutlich andere Meinung, aber auch etablierte Künstler wehren sich gegen diese Darstellung der IFPI. Courtney Loves Artikel bei Salon.com aus dem Jahr 2000 ist immer noch sehr, sehr lesenswert, und ich würde am liebsten den ganzen Artikel zitieren. Hier nur ein paar ausgewählte Ausschnitte, um zu demonstrieren, dass die aktuelle Debatte eigentlich nur eins zum Ziel hat: Die Pfründe des bestehenden Systems zu sichern.
When you look at the legal line on a CD, it says copyright 1976 Atlantic Records or copyright 1996 RCA Records. When you look at a book, though, it'll say something like copyright 1999 Susan Faludi, or David Foster Wallace. Authors own their books and license them to publishers. When the contract runs out, writers gets their books back. But record companies own our copyrights forever.
(…)Last November, a Congressional aide named Mitch Glazier, with the support of the RIAA, added a "technical amendment" to a bill that defined recorded music as "works for hire" under the 1978 Copyright Act.
(...)
(…)
Writing and recording "Hey Jude" is now the same thing as writing an English textbook, writing standardized tests, translating a novel from one language to another or making a map. These are the types of things addressed in the "work for hire" act.TLC declared bankruptcy after they received less than 2 percent of the $175 million earned by their CD sales. That was about 40 times less than the profit that was divided among their management, production and record companies.
Toni Braxton also declared bankruptcy in 1998. She sold $188 million worth of CDs, but she was broke because of a terrible recording contract that paid her less than 35 cents per album.
(…)Story after story gets told about artists -- some of them in their 60s and 70s, some of them authors of huge successful songs that we all enjoy, use and sing -- living in total poverty, never having been paid anything. Not even having access to a union or to basic health care. Artists who have generated billions of dollars for an industry die broke and un-cared for.
Kein Wunder, dass Courtney Love die Musikpiraten ganz woanders sieht (und da stimme ich mit ihr überein):
What is piracy? Piracy is the act of stealing an artist's work without any intention of paying for it. I'm not talking about Napster-type software. I'm talking about major label recording contracts.
Verfasst von crenz um 27.06.05 20:10
Trackback-Pings
TrackBack-URL zu diesem Eintrag:
http://christian.web42.com/mt/mt-tb.cgi/16

