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21.04.07
Tom Wright auf Deutsch II
Die Übersetzung von Tom Wrights „Everyone“-Kommentar zum Römerbrief macht bisher viel Spaß, ist aber auch nicht ohne Tücken. Es gibt doch so ein paar grundlegende Fachbegriffe, bei deren Übersetzung ich noch etwas unentschlossen bin. In manchen Fällen gibt es eine direkte, gängige Übersetzung auf Deutsch, die aber vielleicht andere Assoziationen weckt, als Wright will. Hier ein paar Beispiele (manche leichter, manche schwerer):
covenant justice – „covenant“ übersetze ich normalerweise mit „Bund“; „covenant“/„to covenant“ kann aber auch als Verb oder Attribut verwendet werden. Die „Bundesgerechtigkeit“ ist der normale Fachbegriff dafür (denke ich), im Moment habe ich aber mal „zugesicherte Gerechtigkeit“ verwendet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es hier gut oder schlecht wäre, auf das Konzept der Bundesgerechtigkeit zu verweisen.
declared to be in the right – Das hat mir am Anfang etwas Kopfzerbrechen bereitet, inzwischen habe ich mich für „zu denen erklärt, die im Recht sind“ entschieden. Im Deutschen hat „im Recht“ oft auch nur die Assoziation, dass man im Sinne einer Argumentation Recht hat, also die richtige Aussage gemacht hat. Trotzdem halte ich es hier bisher für die beste Übersetzung.
put to rights – Deutlich schwerer. Hier klingen nach meinem Verständnis gleich mehrere Assoziationen mit: „right“ im Sinne von „Recht“ (wie bei „in the right“), aber auch „put right“ im Sinne von etwas einrenken oder „in Ordnung bringen“. „Richten“ finde ich eigentlich nicht schlecht; das würde aber in den allermeisten Sätzen sofort nur als Urteil zu sprechen verstanden werden (weil die Bedeutung von „etwas richten“ nicht so leicht auf „jemanden richten“ übertragen werden kann. „Zu [ihrem] Recht bringen“ spiegelt auch nur die erste Assoziation wieder, „zurecht machen“ geht gar nicht. Vorerst habe ich mich für „in Ordnung gebracht“ entschieden – auch wegen der Bedeutung von Ordnung als grundlegende geschaffene Struktur, die für etwas am besten ist (i.e., wenn der Mensch von Gott „in Ordnung gebracht“ wird, kann er in Freiheit so leben, wie Gott sich den Menschen gedacht hat). Dass der Begriff so zentral ist und so oft verwendet wird, macht die Wahl der richtigen Übersetzung nicht leichter.
redemption (Römer 3, 24) – Hier bietet sich natürlich sofort „Erlösung“ an; ein Begriff, der zwar wohlbekannt, aber vielleicht auch gefährlich abstrakt ist. Trotzdem wäre das vielleicht nicht schlecht, zumal die Alltagsbedeutung von „redeem“ dem „einlösen“ (und auch „auslösen“) im Deutschen nicht unähnlich ist. In seinem Kommentar spricht Wright vom Freikaufen eines Sklaven vom Sklavenmarkt, oder vom Auslösen eines Pfands aus dem Leihhaus. Die verbundenen Assoziationen sind also sowohl das Zurückkaufen als auch die dadurch entstehende Freiheit. Leider funktioniert „freikaufen“ im Deutschen als Nomen nicht so gut.
anger and wrath (Römer 1,18) – Offensichtlich hatte Wright seine Gründe, „anger“ statt „wrath“ zu verwenden (er erwähnt, dass viele ältere Übersetzungen “wrath” verwenden). Meinem Verständnis nach wird „wrath“ sehr viel stärker mit „Rache“ assoziiert als „anger“ (ein berühmtes Beispiel dafür: John Steinbecks Grapes of Wrath/Früchte des Zorns). Auf Deutsch wird normalerweise „Zorn“ als Übersetzung für „wrath“ verwendet, hat aber normalerweise nicht die Bedeutung von „Rache“. Stattdessen bezeichnet Zorn eine eher gut berechnete, starke Unzufriedenheit mit Ungerechtigkeit oder böswilligem oder bösen Verhalten. „Ärger“ ist nicht stark genug, und „Wut“ hat eine mehr starke unkontrollierte und emotionale, vielleicht auch ungerechtfertigte, Komponente – was für „anger“ vielleicht oder vielleicht auch nicht das richtige ist. Wright bekräftigt, dass Gottes „anger“ leidenschaftlich, aber nicht unkontrolliert oder beliebig ist. Bisher habe ich „wrath“ mit „Zorn” und „anger“ mit „Wut“ übersetzt, obwohl „Zorn“ eher das Konzept ist, das ich inn Wrights Kommentar sehe. Die Hauptfrage ist wohl: Warum verwendet Wright „anger“ statt „wrath“? Ich denke, es ist um die Assoziation mit Rache zu vermeiden, die „Zorn“ im Deutschen nicht hat.
Verfasst von crenz um 21.04.07 00:49
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Kommentare
Have you thought of using 'Vertrag' , with all its forms, for covenant?
Because this is what a covenant is - an agreement between two parties (JHWH : Israel), where both agree to do certain things and behave in certain ways.
Best wishes,
Vivian Evans
Verfasst von: Vivian Evans um 23.04.07 12:27
Thank you for the reminder that “covenant” does indeed have a meaning outside of the Bible as well. Wikipedia states something interesting: “In all cases, a covenant may be contrasted with a contract in that a covenant, unlike a contract, always has a moral dimension integral to its solemnity”.
The term always used does seem to be “Bund”. Replacing it can be helpful and open up other interpretations, but also misleading. Other options besides “Vertrag” could be “Pakt”, “Verpflichtung”, “bindende Zusage”.
Verfasst von: Christian um 24.04.07 01:40


