16.07.07
Tom Wright auf Deutsch III: Halbzeit
Bei der Übersetzung von Tom Wrights „Everyone“-Kommentar zum Römerbrief bin ich mittlerweile im achten Kapitel angekommen bzw. habe es abgeschlossen. Halbzeit! Der erste Band ist damit übersetzt (abzüglich des Glossars). Bin gespannt, wie es weitergeht – ist ja bisher nur eine spinnerte Aktion hauptsächlich für mich selbst.
Verfasst von crenz um 23:27 | Kommentare (0) | TrackBack
12.06.07
Die meistverfolgte Religion der Welt
Es ist die besonders tragische Situation der Christen im Nahen Osten: Stets werden sie im Zusammenhang mit dem Westen gesehen, doch dieser Westen nimmt sie kaum wahr. (...) Es bleibt unleugbar, dass die meist verfolgte Religion der Welt das Christentum ist. Und es gibt keinen Staat, der sich für die bedrängten Christen verantwortlich fühlte.
Die Zeit in einem interessanten Artikel zur Christenverfolgung.
Verfasst von crenz um 14:29 | Kommentare (1) | TrackBack
31.05.07
Lukas im Alltag
Professor: So, the gospel of Luke differs from Mark in its concern about... [Walks across room to look at poster promoting Iraq War protest, studies it for a moment, then returns to podium.] Sorry, I was distracted by the war. [Students laugh.] No, really. The things we're doing right now are actually really pointless in the world we live in. [Silence.] Okay! Back to pretending my job is important. Anyway...
(Source: Overheard in New York)
Schade, dass dem Professor nicht klar war, wie relevant Lukas für den Krieg eigentlich ist..
Verfasst von crenz um 11:35 | Kommentare (0) | TrackBack
04.05.07
Christlich-Demokratisch II
Die CDU macht ihrem Namen alle Ehre. Der gleichen Meinung ist wohl auch Malte vom Spreeblick. Er reißt einige interessante Hintergründe von Kohl, Biedenkopff, Schleyer, Flick, Ries an.
Allerdings denke ich, dass es in anderen Parteien nicht unbedingt besser aussieht...
Verfasst von crenz um 17:07 | Kommentare (0) | TrackBack
21.04.07
Tom Wright auf Deutsch II
Die Übersetzung von Tom Wrights „Everyone“-Kommentar zum Römerbrief macht bisher viel Spaß, ist aber auch nicht ohne Tücken. Es gibt doch so ein paar grundlegende Fachbegriffe, bei deren Übersetzung ich noch etwas unentschlossen bin. In manchen Fällen gibt es eine direkte, gängige Übersetzung auf Deutsch, die aber vielleicht andere Assoziationen weckt, als Wright will. Hier ein paar Beispiele (manche leichter, manche schwerer):
covenant justice – „covenant“ übersetze ich normalerweise mit „Bund“; „covenant“/„to covenant“ kann aber auch als Verb oder Attribut verwendet werden. Die „Bundesgerechtigkeit“ ist der normale Fachbegriff dafür (denke ich), im Moment habe ich aber mal „zugesicherte Gerechtigkeit“ verwendet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es hier gut oder schlecht wäre, auf das Konzept der Bundesgerechtigkeit zu verweisen.
declared to be in the right – Das hat mir am Anfang etwas Kopfzerbrechen bereitet, inzwischen habe ich mich für „zu denen erklärt, die im Recht sind“ entschieden. Im Deutschen hat „im Recht“ oft auch nur die Assoziation, dass man im Sinne einer Argumentation Recht hat, also die richtige Aussage gemacht hat. Trotzdem halte ich es hier bisher für die beste Übersetzung.
put to rights – Deutlich schwerer. Hier klingen nach meinem Verständnis gleich mehrere Assoziationen mit: „right“ im Sinne von „Recht“ (wie bei „in the right“), aber auch „put right“ im Sinne von etwas einrenken oder „in Ordnung bringen“. „Richten“ finde ich eigentlich nicht schlecht; das würde aber in den allermeisten Sätzen sofort nur als Urteil zu sprechen verstanden werden (weil die Bedeutung von „etwas richten“ nicht so leicht auf „jemanden richten“ übertragen werden kann. „Zu [ihrem] Recht bringen“ spiegelt auch nur die erste Assoziation wieder, „zurecht machen“ geht gar nicht. Vorerst habe ich mich für „in Ordnung gebracht“ entschieden – auch wegen der Bedeutung von Ordnung als grundlegende geschaffene Struktur, die für etwas am besten ist (i.e., wenn der Mensch von Gott „in Ordnung gebracht“ wird, kann er in Freiheit so leben, wie Gott sich den Menschen gedacht hat). Dass der Begriff so zentral ist und so oft verwendet wird, macht die Wahl der richtigen Übersetzung nicht leichter.
redemption (Römer 3, 24) – Hier bietet sich natürlich sofort „Erlösung“ an; ein Begriff, der zwar wohlbekannt, aber vielleicht auch gefährlich abstrakt ist. Trotzdem wäre das vielleicht nicht schlecht, zumal die Alltagsbedeutung von „redeem“ dem „einlösen“ (und auch „auslösen“) im Deutschen nicht unähnlich ist. In seinem Kommentar spricht Wright vom Freikaufen eines Sklaven vom Sklavenmarkt, oder vom Auslösen eines Pfands aus dem Leihhaus. Die verbundenen Assoziationen sind also sowohl das Zurückkaufen als auch die dadurch entstehende Freiheit. Leider funktioniert „freikaufen“ im Deutschen als Nomen nicht so gut.
anger and wrath (Römer 1,18) – Offensichtlich hatte Wright seine Gründe, „anger“ statt „wrath“ zu verwenden (er erwähnt, dass viele ältere Übersetzungen “wrath” verwenden). Meinem Verständnis nach wird „wrath“ sehr viel stärker mit „Rache“ assoziiert als „anger“ (ein berühmtes Beispiel dafür: John Steinbecks Grapes of Wrath/Früchte des Zorns). Auf Deutsch wird normalerweise „Zorn“ als Übersetzung für „wrath“ verwendet, hat aber normalerweise nicht die Bedeutung von „Rache“. Stattdessen bezeichnet Zorn eine eher gut berechnete, starke Unzufriedenheit mit Ungerechtigkeit oder böswilligem oder bösen Verhalten. „Ärger“ ist nicht stark genug, und „Wut“ hat eine mehr starke unkontrollierte und emotionale, vielleicht auch ungerechtfertigte, Komponente – was für „anger“ vielleicht oder vielleicht auch nicht das richtige ist. Wright bekräftigt, dass Gottes „anger“ leidenschaftlich, aber nicht unkontrolliert oder beliebig ist. Bisher habe ich „wrath“ mit „Zorn” und „anger“ mit „Wut“ übersetzt, obwohl „Zorn“ eher das Konzept ist, das ich inn Wrights Kommentar sehe. Die Hauptfrage ist wohl: Warum verwendet Wright „anger“ statt „wrath“? Ich denke, es ist um die Assoziation mit Rache zu vermeiden, die „Zorn“ im Deutschen nicht hat.
Verfasst von crenz um 00:49 | Kommentare (2) | TrackBack
07.04.07
Paulus in der Süddeutschen
Weil ich mich gerade aufgrund der Übersetzung von Tom Wrights Kommentar zum Römerbrief entsprechend viel mit der Materie beschäftige, freut es mich besonders zu sehen, dass auch die Süddeutsche etwas zum Thema Reich Gottes zu sagen hat:
Der christliche Glaube war nie als individualistische Privatsache gedacht, sondern als öffentliche, stets auch politische Angelegenheit einer Gemeinschaft. Gott hatte sich sein Volk ursprünglich einmal erfunden, damit es die Not der Welt beseitige.
Peter Aschoff schreibt einige sehr gute Gedanken dazu. Simon de Vries hat den Artikel vermutlich ganz anders verstanden wie ich, und ich bin gespannt auf die Folgekommentare in seinem Blog.
Verfasst von crenz um 14:29 | Kommentare (0) | TrackBack
Don Miller zum Thema Vaterlosigkeit
Dank Tautoko bin ich vor einiger Zeit auf Don Miller gestoßen, dessen Buch „Blue Like Jazz“ mich sehr positiv berührt hat. Er hat eine unglaublich gute Art, über Glaubenszusammenhänge zu schreiben, ohne in gängige Klischees zu verfallen.
Heute bin ich endlich dazu gekommen, mir die erste Folge seines Blue Like Jazz-Podcasts anzuhören. Es geht dort um sein neues Buch, „To own a dragon“, und er list aus dem ersten Kapitel. Sehr empfehlenswert, und unglaublich witzig! In diesem Buchauszug kann man das erste Kapitel auch nachlesen (es kommt nach einigen Einführungsseiten).
Verfasst von crenz um 13:47 | Kommentare (0) | TrackBack
Die Schatzsammlung des David P. Field II
Über das Blog des exzellenten David P. Field habe ich schonmal geschrieben. Hier ist nochmal eine Linkauswahl:
- David zitiert T.S. Eliots Vorstellungen von einer christlichen Gesellschaft. Z.B.
Aber die Kirche kann in keinem politischen Sinn entweder konservativ, oder liberal, oder revolutionär sein. Konservatismus ist zu oft die Bewahrung der falschen Dinge; Liberalismus eine Lockerung der Disziplin; Revolution eine Verleugnung der permanenten Dinge.
- Durch David bin ich aufeinen interessanten Artikel gestoßen, der beschreibt, wie problematisch es ist, gleichzeitig den Text zu präsentieren, den man spricht. Das bestätigt nur meine Vermutung, dass Steve Jobs tatsächlich etwas richtig macht.
- Es scheint mir, dass David auch sehr stark an die Kraft des Evangeliums glaubt, politische und soziale Bedingungen für jeden zu verändern. Hier ist einer seiner Helden, hier ein Kommentar zu Entwicklungshilfe, und schließlich noch ein Link zu einem Artikel, in dem beschrieben wird, warum fair gehandelter Kaffee nicht unbedingt eine gute Idee ist.
- Seine Sammlung verschiedenster Dinge enthält auch ein paar Schätze, z.B. seinen Überblick über den Rämerbrief (Nr. 43).
Verfasst von crenz um 13:26 | Kommentare (0) | TrackBack
07.03.07
Moderne Propheten
Postmoderne hieß für Baudrillard: Die Zivilisation hat ihren Siedepunkt überschritten, von nun an wird sie erkalten. Sie tritt auf der Stelle, und es wird viel passieren, aber nichts mehr geschehen. Die Ereignisse finden nicht mehr statt, und wenn, dann nur noch als Simulation auf dem Bildschirm.
Auch eine Art von Prophet. Der Spiegel schaft sogar die Verbindung zum zur Zeit unvermeidlichen Second Life. Man kann nur hoffen, dass Mario Sixtus Recht behält.
Verfasst von crenz um 14:28 | Kommentare (0) | TrackBack
13.12.06
Unbeabsichtigter Seiteneffekt
Khoshaba erzählt, dass es in seiner Heimatstadt Basra vor vier Jahren noch 1500 christliche Familien gab, "davon sind jetzt sind vielleicht noch 200 übrig."
Das war ein Effekt, der wohl so überhaupt gar nicht beabsichtigt war: Spiegel Online berichtet, dass zehntausende Christen aus dem Irak nach Syrien fliehen, weil sie im Irak verfolgt und bedroht werden.
Verfasst von crenz um 08:19 | Kommentare (0) | TrackBack
15.11.06
Das ABC des Reiches Gottes
(Diesen Eintrag habe ich ein paar Tage später veröffentlicht, weil unsere Internetverbindung ausgefallen ist).
In seinem Blog stellt Peter Aschoff mittels eines interessanten Zitats die Frage, ob Gott und die Kirche für viele Menschen nicht überflüssig geworden sind.
Die Frage ist, ob tatsächlich belegbar ist, dass "die Menschen" früher äußerst interessiert an Gott waren und es heute immer weniger sind. Sicher nehmen die Besucherzahlen der Gottesdienste der Kirchen insgesamt wohl ab (jedenfalls in Deutschland), aber das heißt denke ich nicht, dass der Glaube an Gott selbst an Relevanz verloren hat. Viel mehr ist es wohl die Art wie dieser Glaube vermittelt wird, der nicht mehr Anklang findet.
Der wichtigste Schritt zu möglichen Lösungen hin ist meines Erachtens die Erkenntnis, dass man die Kommunikationsbasis mit dem Rest der Welt verloren hat. Noch immer sehe ich viele erzwungene Evangelisationsversuche, die von der falschen Prämisse ausgehen, man müsste den Leuten nur kurz sagen worum es geht (dass sie nämlich unbedingt einen Retter brauchen) und schon rennt man offene Türen ein.
Erst heute habe ich das wieder anhand eines Willkommensbeitrags eines neuen Teilnehmers im openBC-Forum Wirtschaft und Spiritualität erlebt: In einer Gruppe, die ernsthaft und rege alle möglichen Spielarten der Esoterik und Spiritualität durchdiskutiert kann ich mir mit einem "Hier bin ich, und Jesus ist die Lösung (egal für was), du weißt es nur (noch) nicht" keine Freunde machen.
Leider scheinen viele Christen von dieser Tatsache überrascht -- und schließen dann daraus, dass die Menschen überhaupt kein Interesse an Spiritualität haben. Genau das Gegenteil ist der Fall! Allerdings muss man die Leute denke ich heute sowohl emotional als auch argumentativ überzeugen und kann dabei nicht mehr von christlichen Grundaxiomen ausgehen, die akzeptiert werden.
Jesus ging es ähnlich: Das Bedürfnis seiner (jüdischen) Mitmenschen war ein Messias, der sie von der verhassten Herrschaft der Römer befreit. Ein Messias, der die Schuld der ganzen Welt (inklusive der Römer) trägt war von den meisten sicherlich nicht erwünscht. Was hat Jesus getan? Die Mission den Wünschen der Zeitgenossen anzupassen stand außer Frage. Genauso können wir auch das Evangelium nun mal (glücklicherweise) nicht ändern. Trotzdem gelang es ihm, in einer relevanten Sprache und Art seinen Mitmenschen das Reich Gottes näherzubringen. Weil er eine völlig andere Vorstellung von Gottes Plänen hatte, hat er die Grundlagen des Reiches Gottes gründlich ausbuchstabiert. Genau das ist auch unsere Aufgabe.
Doch bevor wir anderen das Alphabet des Reiches Gottes beibringen können, müssen wir vermutlich selbst erstmal unsere Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen...
Verfasst von crenz um 15:06 | Kommentare (0) | TrackBack
08.11.06
The burning light
Das Licht der Wahrheit ist manchmal ein brennendes Feuer. Zumindest fühlt es sich für Ted Haggard vermutlich gerade so an. Er war der Senior Pastor einer amerikanischen Mega-Church und der Geschäftsführer der National Association of Evangelicals und aktiver Gegner der Homo-Ehe. Vor kurzem ist er von allen Ämtern zurückgetreten, nachdem bekanntgeworden war, dass er mit einem Callboy sexuelle Beziehungen unterhielt und Drogen von ihm gekauft hat ( Bericht 1, Bericht 2).
Vieles könnte man dazu sagen, und nicht alles wäre weise. Für die meisten Berichterstatter ist vermutlich der Kontrast zwischen dem was Haggard gepredigt und was er getan hat das Fatalste (ich urteile hier auf Basis der Berichte, ich kenne Haggards Predigten und Lehre nicht selbst). Darüber sollten wir nicht erstaunt oder gar wütend sein. Für die Medien ist es eine extreme Geschichte, und für uns sollte es das auch sein! In der heutigen Mediengesellschaft wird solches Fehlverhalten sofort bestraft und publiziert. Wir können darüber entweder wütend sein und uns über die sekulären medien beschweren, die nicht willens und fähig sind, objektiv zu berichten (was auch immer wir selbst manchmal damit meinen...) - oder es als Chance sehen, als Anfeuerung von Gott, noch mehr nach Heiligkeit zu streben.
Ich bin eigentlich ganz froh, dass die Sache ans Licht kam. Für mich ist es eine Lektion, mein eigenes Herz wieder anzuschauen, mich selbst zu fragen ob ich in manchen Dingen, die ich glaube, nicht vielleicht selbst scheinheilig bin, und mich zu fragen, wie die Kirche mit solchen Fällen umgehen sollte. Dieser Fall wirft viele interessante Fragen auf, und am Ende wird die Offenheit anderer gegenüber Christus und dem Evangelium hoffentlich nicht durch das Fehlverhalten christlicher Leiter bestimmt, sondern wie wir damit umgehen.
(Foto: Dave Gingrich)
Verfasst von crenz um 09:34 | Kommentare (0) | TrackBack
19.09.06
Halleluja vor dem Schloss
Der Auftritt mit Gospel News auf dem Rathausplatz in Wiesbaden (gegenüber dem hessischen Landtag) hat beim Wiesbadener Tagblatt einen interessanten Artikel gezeitigt. Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Konzertbesucher sich fragt, ob er eigentlich das gleiche Konzert besucht hat wie der Reporter. Alleine die angegebene Zahl von 300 Konzertbesuchern ist fragwürdig; unsere Schätzungen liegen eher bei 1000-1200 Besuchern im Schnitt, zwischendurch sogar deutlich mehr. Eine generelle Abneigung christlichen Veranstaltungen (oder persönlichen Lebensberichten bei solchen Veranstaltungen) gegenüber scheint beim Tagblatt allerdings nicht vorhanden zu sein, der Bericht über das Frauenfrühstückstreffen fällt äußerst positiv aus. Und so vermute ich, dass es vielleicht der Fokus auf Heilung in Verbindung mit dem freikirchlichen Veranstalter war, der den Reporter so gestört hat, dass eine differenzierte Betrachtung des Abends für ihn wohl nicht mehr möglich war. Das Herausgreifen von Einzelstimmen ohne differenzierte Gesamtbetrachtung ist jedenfalls keine gute Technik, um Artikel zu schreiben, und wenn man das Verhältnis von Wortbeiträgen zu Musik an dem Abend betrachtet, so wäre eine längere Würdigung der musikalischen Inhalte auch wünschenswert gewesen.
Hier ist der Leserbrief, den ich in Reaktion auf den Artikel eingereicht habe. 1500 Zeichen sind kürzer als man denkt, ich musste über manche Formulierungen ziemlich nachdenken...
Gospel in Musik und Wort
Als Musiker von Gospel News freue ich mich, dass unsere „solide musikalische Leistung“ ihre Zustimmung gefunden hat und bedaure, dass der Rest des Programms nicht ähnlichen Anklang fand. Die Inhalte wurden allerdings deutlich differenzierter transportiert als von Ihnen dargestellt. Die „spektakuläre Überwindung der Spielsucht“ etwa wurde als ein von Freunden und professionellen Helfern einer Suchthilfe begleiteter Prozess beschrieben, nicht als marktschreierische Spontanheilung. Dass durch Jesus Christus Veränderung und innere und äußere Heilung möglich ist wurde — das gebe ich gerne zu — als eine Kernbotschaft christlichen Glaubens transportiert. Hier haben wir unseren Zuhörern ein konfessionsunabhängiges Angebot gemacht und uns nach dem Konzert kritischen Fragen im Gespräch gestellt. Von einem Spielen mit Erwartungen kann also nicht die Rede sein.
Als Gruppe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir einen diversifizierten Hintergrund aus Volks- und Freikirchen. Hieraus nehmen wir uns die Freiheit, unsere christlichen Zuhörer und uns selbst zu einer konsequenten Umsetzung unseres Glaubens im Alltag herauszufordern. Die Mehrzahl der mehr als 1000 Zuhörer konnte mit diesen Denkanstößen souverän umgehen. So jedenfalls nach dem Konzert die Rückmeldung von Menschen aus verschiedenen Religionen. Ähnliche Erfahrungen machten wir auch bei anderen Konzerten — egal ob von einer Volks- oder Freikirche organisiert.
Danke an die Wiesbadener für das schöne Konzert!
Verfasst von crenz um 08:47 | Kommentare (1) | TrackBack
What is the Kingdom of God?
Heute habe ich einen von Svens Tests gemacht. Hier ist mein nicht sehr überraschendes Ergebnis:
You scored as Kingdom as a Christianised Society. Christians shouldn't withdraw from the world, but by being present in it they can transform it. The kingdom is not only spiritual, but social, political, and cultural.
What is the Kingdom of God? created with QuizFarm.com |
Verfasst von crenz um 07:33 | Kommentare (1) | TrackBack
12.07.06
Die Schatzsammlung des David P. Field
Seit einiger Zeit versuche ich das Blog von David P. Field (Oak Hill, ein Kollege meines Bruders) zu lesen, aber er schreibt zu viele gute Dinge, um noch hinterherzukommen. Das „Problem“ mit seinen Blogeinträgen ist: Es lohnt sich, sich einige Zeit dafür zu nehmen.
Hier sind drei Sachen, die ich mir anschauen will und die ich mir hier merke, bevor sie aus dem RSS-Reader verschwinden:
- The Ultimate Pro-Wal-Mart Article - Ich bin ziemlich gespannt darauf, vor allem weil ich meine, bei David eine Ader für soziale Gerechtigkeit entdeckt zu haben…
- Opening Up Obadiah - Studienmaterial zum Buch Obadja. Ganz bestimmt kein Buch, das ich zu oft gelesen habe… (oh, und Thomas, wie wär's mal mit Material von dir? :-))
- Audio Bible - David P. Field liest die (komplette!) World English Bible. Ich würde sowas auch sehr gerne machen, aber bin mir nicht sicher, dass es eine deutsche Copyright-freie Bibelübersetzung gibt, mit der ich mich wohlfühle. Irgendwelche Tipps?
Verfasst von crenz um 01:15 | Kommentare (0)
26.05.06
Erwachsen werden
Heute ist auf Spiegel Online von einem interessanten Kontrast zu lesen: Bei Kindern setzt die Geschlechtsreife immer früher ein. Laut dem Sexualwissenschaftler Norbert Kluge hatten Mädchen 1860 im Durchschnitt ihre erste Periode mit 16,6 Jahren, 1950 mit 13,1 Jahren und 1994 mit 12,2 Jahren. Für 2010 erwartet er den Durchschnitt im Bereich zwischen dem 10. und 11. Lebensjahr. Bei den Jungs ist die Entwicklung ähnlich: Geschah der erste Samenergusses 1980 noch im Durchschnitt im Alter von 14,2 Jahren, war es 1994 schon im Alter von 12,6 Jahren.
Auf der anderen Seite bleiben Studenten immer länger von der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern abhängig. 2003 erhielten 90% der Studenten im Durchschnitt €435,- von ihren Eltern; 1967/68 waren es bei einem Drittel noch weniger als DM 100,-. Was im Artikel nicht so gut ausgearbeitet wird, ist die Dauer der Ausbildung: Nach meiner (subjektiven) Einschätzung dauert die Ausbildung bei der Mehrheit heute bis zum Alter von 27-30 Jahren, früher war es nur eine Minderheit, die studiert hat. In unserer Elterngeneration waren im Alter von 18-20 Jahren die allermeisten wohl schon berufstätig und finanziell selbstständig. Um 1860 herum lag das Alter der ersten Erwerbstätigkeit sicher deutlich niedriger; damals war eine längere Ausbildung für die meisten Familien denke ich unerschwinglich.
Interessanterweise hat sich am durchschnittlichen Heiratsalter in Deutschland gar nicht so viel verändert, wie ich gedacht hätte: Laut einer Untersuchung für Stuttgart-Feuerbach lag das durchschnittliche Erstheiratsalter für Frauen im Zeitraum von 1760 bis 1913 je nach Regierung zwischen 24 und 27 Jahren. Im 20. Jahrhundert war der Durchschnitt in Deutschland etwas niedriger (trotz oder wegen der Weltkriege?), in den letzten zwanzig Jahren ist er dann deutlich angestiegen, auf mittlerweile 29 Jahre. Es war also in den letzten zwei Jahrhunderten in Deutschland normal (wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen), dass der Beginn der Geschlechtsreife und die erste Eheschließung einige Jahre auseinander liegen. Wäre interessant zu wissen, wie das im Mittelalter und davor und in anderen Kulturkreisen war.
Sowohl frühere Geschlechtsreife als auch spätere finanzielle Eigenständigkeit verdanken wir übrigens laut den oben zitierten Artikeln dem größeren Wohlstand, der uns einerseits bessere Ernährung (und damit schnellere körperliche Entwicklung) und andererseits finanzielle Versorgung während der Ausbildung beschert hat. Soviel zu den Zahlen.
Was für ein Gegensatz: Vor hundert Jahren haben Kinder und Jugendliche schon früh Erfahrungen mit dem Arbeitsleben gemacht. Zu dem Zeitpunkt als die Geschlechtsreife einsetzte, hatten sie schon gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Heute ist dieser Zusammenhang aufgelöst: Die Entwicklung des Körpers ist der des Charakters und der Persönlichkeit weit voraus. Kein Wunder, dass sich der Umgang mit Sexualität in der Zwischenzeit grundlegend verändert hat. Ob man diese Entwicklungen nun positiv oder negativ bewertet; stellen muss man sich ihnen in jedem Fall. Sicher gab es auch schon früher Kinder, die ihre Sexualität ausgelebt haben, aber die Ausübung der Sexualität war eigentlich eine Sache der Erwachsenen – durchaus passend, wie ich finde, nicht nur wegen möglicher Schwangerschaften, sondern der generell bei sexuellen Beziehungen nötigen Verantwortung und persönlichen Reife. Wenn nun körperliche und geistige Reife nicht mehr einher gehen, müsste man auch mal darüber nachdenken, wie man „Erwachsensein“ eigentlich definiert.
Warum habe ich das nun unter „Glaube“ eingeordnet? Aus verschiedensten Gründen hat der christliche Glaube auch einiges dazu zu sagen, wie Sexualität gelebt wird. Angesichts dieser Entwicklungen reicht es aber nicht, moralische Wertmaßstäbe „auf der grünen Wiese“ zu propagieren, als ob sich nichts geändert hätte. Da sich die Wertigkeit und Wahrnehmung der Sexualität in der Gesellschaft grundsätzlich geändert hat, wird christliche Kritik im Umfeld der Sexualität auf Kritik an der konkreten Sexualpraxis oder auf Ablehnung der Sexualität insgesamt reduziert. Von außen ist die Wahrnehmung wohl, dass der moralische Anspruch der Kirche sich also lediglich darauf zu beschränken scheint, den Menschen vorzuschreiben, wie, wann und mit wem sie schlafen dürfen und ihen so den Spaß am Sex zu verderben.
Das ist schade. Denn Sex ist mehr als nur Privatvergnügen – wie wir mit unserer Sexualität umgehen, prägt unsere Gesellschaft. Wenn wir von „Sexualmoral“ reden, sollte es nicht darum gehen, welche Stellungen „erlaubt“ sind, sondern beispielsweise darum, dass Sexualität Grenzen hat und nicht dazu führen darf, dass andere Menschen körperlich und emotional mißbraucht werden. Schade, dass die Kommunikation der Kirche sich so von den gesellschaftlichen Zusammenhängen verabschiedet hat, dass sie nun als Lustkiller angesehen wird. Denn unbiblisch ist die Lust am Sex sicher nicht, im Gegenteil.
Ich wünsche mir eine Kirche, die selbstbewusst dieser Generation Freude am Sex und gleichzeitig verantwortlichen Umgang damit vermittelt. Wie das gehen kann, weiß ich auch nicht – aber ich bin bereit, dazuzulernen.
(Habe eine kleine Formulierungsänderung vorgenommen, um Missverständnisse zu vermeiden.)
Verfasst von crenz um 08:26 | Kommentare (4) | TrackBack
19.01.06
Außerirdische im Kirchenschiff
(English translation will follow)
Dass die Kultur vergangener Tage oft als „heiliger“ gilt als die aktuelle ist kein neues Phänomen. Die Charismatiker müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, sich viel zu sehr von der aktuellen Kultur beeinflussen zu lassen. Und davor gab's den Vorwurf sicher auch schon. Wie Mark schreibt, hat der Vorwurf nun die emerging church erreicht.
Ich bin der Überzeugung: Wir sind alle Kinder unserer Zeit und können das nur schwer ablegen. Wenn jemand seine geistliche Erfüllung in einem traditionellen Gottesdienst findet, so hängt das teilweise sicherlich mit der Tiefe der Choräle und der (hoffentlich) an der Bibel orientierten Lehre zusammen, aber eben zu einem großen Teil auch mit dem (geistlichen) Aufwachsen in diesem Kontext und mit einer gewissen Affinität des Charakters mit diesem Stil. Das gleiche gilt für Hillsongs, Vineyard, Mennoniten, usw.
Prinzipiell ist das auch gar nicht negativ und ein Teil der Vielfalt, die Gottes Schöpfung mit sich bringt. In allen diesen Richtungen gibt es aber auch Dinge, die nicht mit Gott übereinstimmen. Daher müssen wir uns alle bemühen, diese Dinge abzulegen. Leider ist es nicht so, dass Traditionen über die Jahre hinweg immer göttlicher werden, daher müssen wir sowohl Tradition als auch Neues ständig hinterfragen.
Marks Beispiele zeigen, dass der Vorwurf wirklich nicht spezifisch für die emerging church ist. Die Erlösung der gesamten Schöpfung (Römer 8, 19) ist für mich gerade ein wichtiges Thema. Dazu gehören auch Gerechtigkeit in Handelsbeziehungen, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit im Umgang mit unserer Umwelt, usw. Letztendlich muss Gottes Reich unser Handeln, aber auch unsere ganze Gesellschaft, auf allen Ebenen verändern. (Ich bin zum Beispiel dankbar, für ein Unternehmen zu arbeiten, in dem die shareholder value nicht das Maß aller Dinge ist – weil es keine Shareholder gibt.)
Je nach Glaubensrichtung beschränken wir uns aber auf die gesamte Kirche, die gesamte Gemeinde oder sogar nur das gesamte Ich, das gerettet werden muss – der Rest interessiert uns nicht mehr. Sicherlich gibt es in der emerging church Leute, denen man vorwerfen muss, dass sie sich nicht mit den Folgen ihres Konsums beschäftigen. Aber die gibt es in jeder Gemeinde und Strömung. Ich bezweifle, dass die emerging church insgesamt mehr vom „Konsumgeist“ dieser Zeit geprägt ist als andere Denominationen.
Letztendlich gilt: Wir müssen alles prüfen, und das Gute behalten. Traditionelle Gottesdienstformen können ein Segen sein, aber auch ein Rückzug in den eigenen Konsum ohne Rücksicht auf andere. Gabentests können ein wertvolles Werkzeug sein, aber auch ein Mittel zum Individualismus und zur christlich verbrämten Selbstverwirklichung. Es kommt darauf an, was man daraus macht.
Verfasst von crenz um 08:51 | TrackBack
06.01.06
Die Deutschen und die Theologie
Männer deuten die Bibel, Frauen sind fürs soziale Netz zuständig.
Ein Blog-Eintrag bei Peter Aschoff hat mich auf einen interessanten Artikel in der Süddeutschen über die BGG aufmerksam gemacht. Ich stimme seiner Einschätzung zu: Der Artikel ist von einer positiven, aber auch kritischen Grundhaltung heraus geschrieben.
Was mir besonders auffiel, war die Betonung der Abwertung des „Theologisierens“ und der recht konservativen Rollenerwartung. Vielleicht lag das auch an der Absicht des Autors, eine gewisse Entsprechung zwischen amerikanischen Megachurches und der BGG herzustellen. Wenn die im Text genannten Beispiele so zutreffen, sind sie ein weiterer Beleg für die Vorbehalte in evangelikalen und charismatischen Kreisen gegenüber Theologie, die die Interpretation der Bibel allein vom Wortsinn her in Frage stellt.
Durch die Lektüre von N.T.Wrights Kommentaren zum Neuen Testament im letzten Jahr fiel mir auf, wie wenig solch grundlegendes Wissen sowohl über den Umgang mit der Bibel als auch über den Inhalt in vielen Gemeinden hierzulande vermittelt wird – wenigstens meiner eigenen Erfahrung nach. Und das gilt nicht nur für charismatische, sondern meines Erachtens auch für traditionelle Gemeinden. Ich hoffe immer noch, dass sich jemand findet, der diese Serie von N.T.Wright ins Deutsche übersetzt… auch wenn das eine ziemlich Mammutaufgabe ist.
Vielleicht sind wir wieder in einer Zeit angekommen, wo die Leiter der Kirche gute theologische Kenntnisse haben, aber nicht die Mitglieder anleiten, sich selbst einen intelligenten, gut fundierten Glauben zu erarbeiten. Schade eigentlich; genau das sollte Gemeindeerneuerung egal in welcher Form meines Erachtens eigentlich vermeiden.
Während unseres Aufenthalts in London habe ich mich wieder viel mit diesem Thema beschäftigt. Es gibt einige false dilemmas, die einem schon fast in Fleisch und Blut übergegangen sind: Entweder eine Predigt ist lebensnah, aber oberflächlich, oder man gräbt theologisch tief, wird aber anstrengend, langweilig und lebensfern. Oder anders ausgedrückt: Entweder ist eine Gemeinde „funky“, jung und spannend, oder sie hat „gutes Bibelwissen“. Entweder ist die Bibel Wort für Wort wahr, oder sie ist eine Sammlung von nur im übertragenen Sinn verstehbaren Märchen ohne historische Grundlage. (Interessanterweise sind sich hier liberale und konservative Kreise einig, dass es nur diese zwei Alternativen gibt…). Entweder übt die Leiterschaft eine strenge Kontrolle über Moral und „christliche Standards“ aus (gerade in charismatischen Kreisen sehr gern gesehen), oder jeder tut was er will und keiner „glaubt richtig“. Entweder haben wir „Geistwirkungen“, die uns von den Socken hauen (im Wortsinn…) oder wir sind eine „tote“ Gemeinde. Entweder wir glauben der Bibel oder der Wissenschaft. Entweder sind Frauen und Männer in allen Aspekten gleich oder wir brauchen eine ganz traditionelle Rollenaufteilung. Entweder ist alles in der Bibel von der Kultur abhängig, oder die Bibel ist völlig akulturell.
Ich bin überzeugt, die Wahrheit liegt in allen Fällen in der Mitte. Es ist viel einfacher, sich der einen oder andern Seite zuzuschlagen, und viel anstrengender, sich den Weg durchs Dickicht in der Mitte zu schlagen, aber es lohnt sich.
Zur Zeit frage ich mich, wie ich mich theologisch weiterbilden kann. Die Akademie für Leiterschaft ist natürlich eine gute Möglichkeit, aber ich würde gerne etwas machen, das ein bisschen über den hierzulande üblichen Tellerrand hinausgeht. Mein Bruder hat mir den Correspondence Course des Moore College empfohlen, das wäre auch eine Möglichkeit. Vielleicht finde ich ja noch was anderes?
Ich werde jedenfalls weiter die Bücher von Wright lesen. Und ein paar weitere Empfehlungen habe ich von London mitgenommen:
- Slaves, Woman and Homosexuals: Eine interessante Methode herauszufinden, welche Maßstäbe der Bibel von kulturellen Vorstellungen geprägt sind und welche allgemeingültig sind.
- The Science of God (McGrath): Wissenschaft und systematische Theologie zusammengeführt.
- Inspiration and Incarnation: Evangelicals and the problem of the Old Testament: Eine Einführung in die Errungenschaften der systematischen Theologie der letzten Jahrzehnte für Evangelikale.
- Gospel and Kingdom: Eine weitere Einführug ins alte Testament.
- According to Plan: Eine Einführung ins Verständnis der Bibel insgesamt.
Verfasst von crenz um 14:39 | Kommentare (0) | TrackBack
13.12.05
“People forget that redemption is tailor-made for the wretched.”
„Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder, und dein Harfenspiel mag ich gar nicht hören! Es soll aber das Recht daherfluten wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Strom!“
Verfasst von crenz um 10:00 | TrackBack
07.12.05
Weihnachtsmusik
Am Samstag werde ich bei der Messias Celebration von Treffpunkt Leben mitspielen, zusammen mit Michael Schlierf, Matthias Gassert und einem kleinen Chor. Zusammen mit ein paar klassischen Stücke sowie einigen Tänze wird es ein inspirierender Morgen werden. Falls du am Sonntag Zeit hast, würde ich mich freuen, dich dort zu sehen.
Verfasst von crenz um 02:27 | Kommentare (0) | TrackBack
06.12.05
Ein Wochenende in Karlsruhe
Aus der Rubrik: Worüber ich eigentlich schon lange schreiben wollte…
Ende Oktober waren wir für ein Wochenende in Karlsruhe. Zum einen haben wir Freunde besucht, zum anderen wollten wir endlich mal bei Kubik vorbeischauen.
Ich hatte Mark von Kubik letztes Jahr auf einer Konferenz getroffen; damals hat sein Vortrag mir sehr Appetit auf die „emerging church“ gemacht. Leider hat es nun recht lange gedauert, bis ich es tatsächlich geschafft habe, vorbeizuschauen. Ich hatte mir allerdings vorgenommen, dieses Wochenende und damit auch die Zeit bei Kubik bewusst als Zeit für mich selbst zu nehmen und nicht als Gemeindebau-Inspirations-Aktion.
Wir waren Freitagabends direkt bei Kubik und haben den Gottesdienst sehr genossen. Die dort gelebte Kreativität im Umgang miteinander und mit Gott hat mich begeistert. Für mich persönlich war es ein sehr wertvoller Abend – ich habe mich gleich wie zuhause gefühlt und hatte verschiedene gute Gespräche. Am Montag waren wir nochmal da; aufgrund der damals laufenden 24/7-Gebetsaktion konnten wir auch tagsüber rein und uns etwas Zeit fürs Gebet nehmen.
Eine Frage hat dieses Wochenende in mir hinterlassen: Warum ist Gemeinde eigentlich nicht immer so persönlich und so relevant?
An dieser Stelle nochmal lieben, herzlichen Dank an die Freunde, die uns bei sich aufgenommen haben!
Verfasst von crenz um 23:50 | Kommentare (0) | TrackBack
28.10.05
Die Suche nach Berufung
Am ersten Abend des Bluffer's guide to Christian doctrine ging es auch um Götzendienst; darum also, unser Vertrauen und unsere Hoffnung in etwas anderes zu setzen als in Gott.
Es ist gut, Gaben zu erforschen und die Berufung, die Gott für uns hat. Aber manchmal machen wir die Zufriedenheit und den Wert unseres Lebens davon abhängig. Dadurch werden sie zu einer christlichen Version der generellen Angst vor Bedeutungslosigkeit in unserer Generation. Wir müssen aufpassen, dass unsere Zuversicht und Zufriedenheit immer noch von Gott kommen, und nicht aus unserem Dienst.
Verfasst von crenz um 08:09 | Kommentare (0) | TrackBack
15.05.05
Links zu Pfingsten
Es ist interessant, wie verschiedenartig man über Pfingsten nachdenken kann. Am Geburtstag der Kirche schreibt Simon Cozens darüber, dass er gerade nicht mehr gerne zur Kirche geht. Reinhold gibt einige sehr herausforderne Gedanken zu Erweckung wieder, Wulf schreibt über Pfingsten, den Fluch von Babel und das Internet und Mark berichtet von einem interessanten Pfingstgottesdienst.
Das Pentecost Grid Blog sammelt Postings von verschiedensten Autoren – noch nicht über den ganzen Globus verteilt; hoffentlich schaffen wir das nächstes Jahr. Ich habe auch einen Beitrag geschrieben.
Verfasst von crenz um 23:36 | TrackBack
O komm, du Geist der Wahrheit!
Teil des Pentecost Grid Blog
Dieser Tage wundern sich vermutlich wieder einige Menschen, was an Pfingsten so wichtig ist, dass wir es in Deutschland mit zwei offiziellen Feiertagen (Pfingstsonntag und -montag) begehen. Mit Weihnachten und Ostern können die meisten Menschen noch etwas anfangen, aber die Bedeutung von Pfingsten ist in unserer entkirchlichten Gesellschaft mittlerweile weitgehend unbekannt. Selbst diejenigen, die die „richtige“ Antwort kennen („Ausgießung des Heiligen Geistes“) tun sich allerdings schwer damit, dem irgendeine praktische Bedeutung zuzumessen.
Auch in christlichen Kreisen ist der Umgang mit Pfingsten nicht immer problemfrei: Für Charismatiker und Pfingstler ist das natürlich der „Hausfeiertag“, aber trotzdem ist man sich unsicher, wie man ihn feiern soll. Und in anderen Denominationen tut man sich mit dem Feiertag teilweise noch schwerer. Gewiss, eine offizielle Antwort gibt es immer, aber wie feiere ich diesen Tag persönlich, für was bin ich Gott dankbar? Welche Rituale gibt es für Pfingsten, wenn man keine Krippe, keine Ostereier, keinen Weihnachtsbaum verwenden kann? Ist Pfingsten außerhalb des Gottesdienstes mehr als nur ein normaler Sonntag für mich?
Eine interessante Sichtweise von Pfingsten ist die als Geburtstag der Kirche. In Matthäus 16, 18 kündigt Jesus schon den Bau seiner Gemeinde auf dem Felsen Petrus an, und wir lesen in der Apostelgeschichte von Petrus' beeindruckender Antrittspredigt, die so gar nichts von dem stürmischen, vorschnellen, unsicheren Petrus erkennen lässt, den wir in den Evangelien kennenlernen. In der Folge heißt es „…und der Herr tat täglich hinzu…“ – ein Gemeindewachstum, wie es im Buche steht.
Den wichtigen Zwischenschritt, der das möglich machte, finden wir in Apostelgeschichte 2: Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Es ist wichtig, sich an dieser Stelle zu erinnern, dass es nicht um eine Geisteshaltung, nicht um göttliche Gedanken, nicht um spirituelle Erfahrungen geht, sondern darum, dass Gott selbst in den Gläubigen lebt. In unserer modernen Gesellschaft findet dieser Gedanke weiten Anklang: Der „Funke Gottes in uns“, eine „göttliche Kraft oder Idee“, das ist oft Ausdruck dessen, dass eine wie auch immer geartete gelebte Religiosität nicht nötig ist, weil wir Gott ja schon in uns tragen. Die Idee dahinter ist: Wir sind alle „ein bisschen Gott“.
Davon spricht das Neue Testament allerdings nicht! Es geht nicht um einen Gedanken oder eine Idee, die unserer Kontrolle unterliegt. Es geht um eine Machtaufgabe, es geht um einen Gott, der souverän unser Leben führt und zu einem guten Ende bringt, auch wenn wir ihm manchmal dabei ganz gehörig in die Quere kommen.
Die Folge dessen für die Kirche als Institution ist, dass der christliche Glaube nicht primär auf Gedenken, Erinnerung und Bewahrung ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf aktives Handeln, Verändern unserer ungerechten Gesellschaften hin zu Gottes Gerechtigkeit und Bauen des Reiches Gottes.
Das muss auch unser persönliches Handeln prägen: Gott wirkt schöpferisch in uns und trotz uns. Nutzen wir diese Zeit, um ihm für dieses Privileg zu danken. Wir brauchen Mut, diese Welt zu verändern. Und wir brauchen Demut, zu erkennen, dass unser Denken und Handeln immer noch durchdrungen ist von unseren eigenen Wünschen – was die Geschichte der Kirche leider ebenfalls zeigt.
Verfasst von crenz um 20:10 | TrackBack
09.05.05
Ein lebendes Geheimnis
Zum Eintrag von vor ein paar Tagen passt das folgende Zitat, das ich vor kurzem gesehen habe.
“To be a witness does not consist in engaging in propaganda, nor even in stirring people up, but in being a living mystery. It means to live in such a way that one's life shall not make sense if God did not exist.”
Cardinal Emmanuel Suhard
Verfasst von crenz um 01:48 | TrackBack
04.05.05
Zum Thema Evangelisationsstrategien
Bei allem Nachdenken über verschiedene Generationen, Evangelisations- und Gemeindebaustrategien für moderne, postmoderne und entkirchlichte Gesellschaften ist es manchmal einfach, die Grundlagen aus dem Blick zu verlieren.
Zum Glück liefert Nils Minkmar von der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ wertvolles Feedback, woran's wirklich hakt (gefunden über Spiegel Online, Hervorhebung von mir):
„Selbst die Katholiken, die ich kenne - und man muß ja schon gezielt danach fragen, zu welcher Konfession jemand gehört, um es zu erfahren; man kann es kaum noch aus dem Verhalten, dem Milieu, den Ansichten erschließen -, sind weniger fromm, weniger praktizierend, gehorchen weniger den Sittenlehren denn je.“
Jesus drückt das noch etwas krasser aus.