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19.01.06

Außerirdische im Kirchenschiff

(English translation will follow)

Dass die Kultur vergangener Tage oft als „heiliger“ gilt als die aktuelle ist kein neues Phänomen. Die Charismatiker müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, sich viel zu sehr von der aktuellen Kultur beeinflussen zu lassen. Und davor gab's den Vorwurf sicher auch schon. Wie Mark schreibt, hat der Vorwurf nun die emerging church erreicht.

Ich bin der Überzeugung: Wir sind alle Kinder unserer Zeit und können das nur schwer ablegen. Wenn jemand seine geistliche Erfüllung in einem traditionellen Gottesdienst findet, so hängt das teilweise sicherlich mit der Tiefe der Choräle und der (hoffentlich) an der Bibel orientierten Lehre zusammen, aber eben zu einem großen Teil auch mit dem (geistlichen) Aufwachsen in diesem Kontext und mit einer gewissen Affinität des Charakters mit diesem Stil. Das gleiche gilt für Hillsongs, Vineyard, Mennoniten, usw.

Prinzipiell ist das auch gar nicht negativ und ein Teil der Vielfalt, die Gottes Schöpfung mit sich bringt. In allen diesen Richtungen gibt es aber auch Dinge, die nicht mit Gott übereinstimmen. Daher müssen wir uns alle bemühen, diese Dinge abzulegen. Leider ist es nicht so, dass Traditionen über die Jahre hinweg immer göttlicher werden, daher müssen wir sowohl Tradition als auch Neues ständig hinterfragen.

Marks Beispiele zeigen, dass der Vorwurf wirklich nicht spezifisch für die emerging church ist. Die Erlösung der gesamten Schöpfung (Römer 8, 19) ist für mich gerade ein wichtiges Thema. Dazu gehören auch Gerechtigkeit in Handelsbeziehungen, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit im Umgang mit unserer Umwelt, usw. Letztendlich muss Gottes Reich unser Handeln, aber auch unsere ganze Gesellschaft, auf allen Ebenen verändern. (Ich bin zum Beispiel dankbar, für ein Unternehmen zu arbeiten, in dem die shareholder value nicht das Maß aller Dinge ist – weil es keine Shareholder gibt.)


Je nach Glaubensrichtung beschränken wir uns aber auf die gesamte Kirche, die gesamte Gemeinde oder sogar nur das gesamte Ich, das gerettet werden muss – der Rest interessiert uns nicht mehr. Sicherlich gibt es in der emerging church Leute, denen man vorwerfen muss, dass sie sich nicht mit den Folgen ihres Konsums beschäftigen. Aber die gibt es in jeder Gemeinde und Strömung. Ich bezweifle, dass die emerging church insgesamt mehr vom „Konsumgeist“ dieser Zeit geprägt ist als andere Denominationen.

Letztendlich gilt: Wir müssen alles prüfen, und das Gute behalten. Traditionelle Gottesdienstformen können ein Segen sein, aber auch ein Rückzug in den eigenen Konsum ohne Rücksicht auf andere. Gabentests können ein wertvolles Werkzeug sein, aber auch ein Mittel zum Individualismus und zur christlich verbrämten Selbstverwirklichung. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Posted by crenz, 19.01.06 08:51

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