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30.05.06

Web 2.0

Web 1.0 was about owning, Web 2.0 is about sharing

Habe gerade eine schöne Liste gefunden, die die Unterschiede zwischen Web 1.0 und Web 2.0 darstellt.

I just found a nice list that shows the differences between Web 1.0 and Web 2.0.

Verfasst von crenz um 09:50 | Kommentare (1) | TrackBack

26.05.06

Erwachsen werdenGrowing up

Heute ist auf Spiegel Online von einem interessanten Kontrast zu lesen: Bei Kindern setzt die Geschlechtsreife immer früher ein. Laut dem Sexualwissenschaftler Norbert Kluge hatten Mädchen 1860 im Durchschnitt ihre erste Periode mit 16,6 Jahren, 1950 mit 13,1 Jahren und 1994 mit 12,2 Jahren. Für 2010 erwartet er den Durchschnitt im Bereich zwischen dem 10. und 11. Lebensjahr. Bei den Jungs ist die Entwicklung ähnlich: Geschah der erste Samenergusses 1980 noch im Durchschnitt im Alter von 14,2 Jahren, war es 1994 schon im Alter von 12,6 Jahren.

Auf der anderen Seite bleiben Studenten immer länger von der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern abhängig. 2003 erhielten 90% der Studenten im Durchschnitt €435,- von ihren Eltern; 1967/68 waren es bei einem Drittel noch weniger als DM 100,-. Was im Artikel nicht so gut ausgearbeitet wird, ist die Dauer der Ausbildung: Nach meiner (subjektiven) Einschätzung dauert die Ausbildung bei der Mehrheit heute bis zum Alter von 27-30 Jahren, früher war es nur eine Minderheit, die studiert hat. In unserer Elterngeneration waren im Alter von 18-20 Jahren die allermeisten wohl schon berufstätig und finanziell selbstständig. Um 1860 herum lag das Alter der ersten Erwerbstätigkeit sicher deutlich niedriger; damals war eine längere Ausbildung für die meisten Familien denke ich unerschwinglich.

Interessanterweise hat sich am durchschnittlichen Heiratsalter in Deutschland gar nicht so viel verändert, wie ich gedacht hätte: Laut einer Untersuchung für Stuttgart-Feuerbach lag das durchschnittliche Erstheiratsalter für Frauen im Zeitraum von 1760 bis 1913 je nach Regierung zwischen 24 und 27 Jahren. Im 20. Jahrhundert war der Durchschnitt in Deutschland etwas niedriger (trotz oder wegen der Weltkriege?), in den letzten zwanzig Jahren ist er dann deutlich angestiegen, auf mittlerweile 29 Jahre. Es war also in den letzten zwei Jahrhunderten in Deutschland normal (wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen), dass der Beginn der Geschlechtsreife und die erste Eheschließung einige Jahre auseinander liegen. Wäre interessant zu wissen, wie das im Mittelalter und davor und in anderen Kulturkreisen war.

Sowohl frühere Geschlechtsreife als auch spätere finanzielle Eigenständigkeit verdanken wir übrigens laut den oben zitierten Artikeln dem größeren Wohlstand, der uns einerseits bessere Ernährung (und damit schnellere körperliche Entwicklung) und andererseits finanzielle Versorgung während der Ausbildung beschert hat. Soviel zu den Zahlen.

Was für ein Gegensatz: Vor hundert Jahren haben Kinder und Jugendliche schon früh Erfahrungen mit dem Arbeitsleben gemacht. Zu dem Zeitpunkt als die Geschlechtsreife einsetzte, hatten sie schon gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Heute ist dieser Zusammenhang aufgelöst: Die Entwicklung des Körpers ist der des Charakters und der Persönlichkeit weit voraus. Kein Wunder, dass sich der Umgang mit Sexualität in der Zwischenzeit grundlegend verändert hat. Ob man diese Entwicklungen nun positiv oder negativ bewertet; stellen muss man sich ihnen in jedem Fall. Sicher gab es auch schon früher Kinder, die ihre Sexualität ausgelebt haben, aber die Ausübung der Sexualität war eigentlich eine Sache der Erwachsenen – durchaus passend, wie ich finde, nicht nur wegen möglicher Schwangerschaften, sondern der generell bei sexuellen Beziehungen nötigen Verantwortung und persönlichen Reife. Wenn nun körperliche und geistige Reife nicht mehr einher gehen, müsste man auch mal darüber nachdenken, wie man „Erwachsensein“ eigentlich definiert.

Warum habe ich das nun unter „Glaube“ eingeordnet? Aus verschiedensten Gründen hat der christliche Glaube auch einiges dazu zu sagen, wie Sexualität gelebt wird. Angesichts dieser Entwicklungen reicht es aber nicht, moralische Wertmaßstäbe „auf der grünen Wiese“ zu propagieren, als ob sich nichts geändert hätte. Da sich die Wertigkeit und Wahrnehmung der Sexualität in der Gesellschaft grundsätzlich geändert hat, wird christliche Kritik im Umfeld der Sexualität auf Kritik an der konkreten Sexualpraxis oder auf Ablehnung der Sexualität insgesamt reduziert. Von außen ist die Wahrnehmung wohl, dass der moralische Anspruch der Kirche sich also lediglich darauf zu beschränken scheint, den Menschen vorzuschreiben, wie, wann und mit wem sie schlafen dürfen und ihen so den Spaß am Sex zu verderben.

Das ist schade. Denn Sex ist mehr als nur Privatvergnügen – wie wir mit unserer Sexualität umgehen, prägt unsere Gesellschaft. Wenn wir von „Sexualmoral“ reden, sollte es nicht darum gehen, welche Stellungen „erlaubt“ sind, sondern beispielsweise darum, dass Sexualität Grenzen hat und nicht dazu führen darf, dass andere Menschen körperlich und emotional mißbraucht werden. Schade, dass die Kommunikation der Kirche sich so von den gesellschaftlichen Zusammenhängen verabschiedet hat, dass sie nun als Lustkiller angesehen wird. Denn unbiblisch ist die Lust am Sex sicher nicht, im Gegenteil.

Ich wünsche mir eine Kirche, die selbstbewusst dieser Generation Freude am Sex und gleichzeitig verantwortlichen Umgang damit vermittelt. Wie das gehen kann, weiß ich auch nicht – aber ich bin bereit, dazuzulernen.

(Habe eine kleine Formulierungsänderung vorgenommen, um Missverständnisse zu vermeiden.)

Today, I saw two rather contrasting articles on Spiegel Online: Children reach sexual maturity earlier and earlier [in German]. According to the researcher Norbert Kluge, in 1860 girls had their first period at an average age of 16.6 years. In 1950, the average age had dropped to 13.1 years and in 1994 it had dropped to 12.2 years. For 2010, he expects the average age to be between 10 and 11 years old. Boys developed in a similar way: The average age for the first ejaculation used to be 14.2 years in 1980 and dropped to 12.6 years in 1994.

On the other hand, students depend on the financial support of their parents longer and longer. In 2003, 90% of the students in Germany received €435,- from their parents on average, compared to one third receiving less than DM 100,- (~ €50) in 1967/68. Unfortunately, the article does not expand on the duration of formal training: According to my own subjective estimate, the majority continues their formal education until they are about 27 to 30 years old. Earlier, only a small minority was able to study. In our parent's generation, most 18 to 20-year olds probably were already employed and financially independent. Around 1860, the mean age of first employment should have been much lower - at that time, a continuous education probably was unaffordable for most families.

Interestingly enough, the mean age of (first) marriage in Germany didn't change as much as I would have expected. According to research done on data for Stuttgart-Feuerbach, the mean age of first marriage for woman during the years 1760 to 1913 varied between 24 and 27 years, depending on government. In the 20th century, the average age was a bit lower in Germany (whether because or despite the world wars, I don't know), but rose substantially during the last two decades and is now about 29 years. So it seems that during the last two centuries, out of varying reasons it was normal for Germans that the beginning of sexual maturity and the first marriage lie a few years apart. It would be interesting to know what it was like in the middle ages and in other culture groups.

By the way, both earlier sexual maturity as well as later financial independence are (according to the articles cited above) both due to our greater wealth that allows for faster physical development through better nourishment as well as better financial provision while studying. So much for the numbers.

What a contrast: A hundred years ago, children and youths started their working life rather early. On the onset of sexual maturity, they already had learned to take over some responsibility. Today, this is reversed: The development of our bodies has overtaken the development of our character and personality by far. It is not surprising that through this, our dealings with sexuality have changed substantially. Whether we find those changes agreeable or not, we still have to face them. Of course in the past there were already kids that lived out their sexuality, but in general, practicing sexuality was something for adults. Which I find quite appropriate, considering not only possible pregnancies, but also the responsibility and mature personality that is needed to establish healthy sexual relationships. If physical and mental maturity do not correlate anymore, we should also re-think our definition of “adulthood”.

Warum habe ich das nun unter „Glaube“ eingeordnet? Aus verschiedensten Gründen hat der christliche Glaube auch einiges dazu zu sagen, wie Sexualität gelebt wird. Angesichts dieser Entwicklungen reicht es aber nicht, moralische Wertmaßstäbe „auf der grünen Wiese“ zu propagieren, als ob sich nichts geändert hätte. Da sich die Wertigkeit und Wahrnehmung der Sexualität in der Gesellschaft grundsätzlich geändert hat, wird christliche Kritik im Umfeld der Sexualität auf Kritik an der konkreten Sexualpraxis oder auf Ablehnung der Sexualität insgesamt reduziert. Der moralische Anspruch der Kirche scheint sich also lediglich darauf zu beschränken, den Menschen vorzuschreiben, wie, wann und mit wem sie schlafen dürfen und ihen so den Spaß am Sex zu verderben.

Das ist schade. Denn Sex ist mehr als nur Privatvergnügen – wie wir mit unserer Sexualität umgehen, prägt unsere Gesellschaft. Wenn wir von „Sexualmoral“ reden, sollte es nicht darum gehen, welche Stellungen „erlaubt“ sind, sondern beispielsweise darum, dass Sexualität Grenzen hat und nicht dazu führen darf, dass andere Menschen körperlich und emotional mißbraucht werden. Schade, dass die Kommunikation der Kirche sich so von den gesellschaftlichen Zusammenhängen verabschiedet hat, dass sie nun als Lustkiller angesehen wird. Denn unbiblisch ist die Lust am Sex sicher nicht, im Gegenteil.

Ich wünsche mir eine Kirche, die selbstbewusst dieser Generation Freude am Sex und gleichzeitig verantwortlichen Umgang damit vermittelt. Wie das gehen kann, weiß ich auch nicht – aber ich bin bereit, dazuzulernen.

Verfasst von crenz um 08:26 | Kommentare (4) | TrackBack

01.05.06

Sprüche 18,22Proverbs 18:22

Verfasst von crenz um 12:00 | Kommentare (4) | TrackBack